Die Kehrseite der Medaille – Audibene mischt die Branche auf

Wie Audibene den Markt erobert

Audibene ist ein 2012 gegründetes Unternehmen, das die Branche der Hörakustik revolutioniert hat, indem es Online-Beratungen für Menschen mit Hörminderung anbietet. Die Idee, Hörgeräte online zu vermitteln, stammt von den Berliner Gründern Paul Crusius und Dr. Marco Vietor. Bereits 2013 erhalten sie eine Auszeichnung für die beste Kundenzufriedenheit und weiten ihre Arbeit auf die Niederlande, 2014 auf die Schweiz und später auf sieben weitere Länder in Europa, Nordamerika und Asien aus. Dabei setzen sie auf die Zusammenarbeit mit verschiedenen Partnerakustikern. Zu diesem Netzwerk gehören mittlerweile über 4.000 Akustiker, darunter 1.000 in Deutschland. 

Die Kundengewinnung und -betreuung von Audibene läuft in mehreren Schritten ab. Der Marketing Funnel startet mit der Leadgenerierung über Onlineanzeigen und zielt zunächst auf einen Online-Hörtest und eine Erstberatung via Telefon ab. Anschließend wird ein Termin bei einem Partnerakustiker in der Nähe vereinbart, um ein auf seine Bedürfnisse abgestimmtes Hörgerät anzupassen und im Alltag zu testen. 

Das Unternehmen hat sich dabei auf Kunden spezialisiert, die gezielt im Internet nach Hörgeräten suchen.  Dadurch erreichen sie eine jüngere Zielgruppe, die laut einer Firmenstatistik im Durchschnitt 61 Jahre alt sind, rund zehn Jahre jünger als bei anderen Anbietern, und sehr internetaffin sind. Mit diesem Modell verzeichnen sie bei den Endverbrauchern einen hohen Erfolg. Attraktiv für diese ist, dass sie sich zunächst bequem online informieren können und dabei anonym bleiben. Auch der kostenlose Hörtest bringt Audibene Pluspunkte bei Endkunden ein. Zudem werben sie mit einer schnellen Terminvereinbarung bei einem Akustiker in der Nähe und einer Auswahl zwischen 1000 Partner. Durch diese Herangehensweise konnten sie im vergangenen Jahr einen Umsatz von 150 Millionen Euro und einen Absatz von 1,2 Millionen Geräten erzielen.

Fluch oder Segen?

Doch dieser enorm große Erfolg für das Unternehmen zeigt auch die Kehrseite fürdessen Partnerakustiker auf: Zunächst scheint es einen großen Vorteil für Akustiker zu bringen, Partner von Audibene zu sein, da sie ihnen durch Online-Akquise Zugang zu einer jüngeren, onlineaffinen Zielgruppe verschaffen können, die ein Akustiker selbst meist nicht erreicht.Wenn man sich das Geschäftsmodell genauer anschaut, können erste Nachteile für Akustiker auffallen. Der Umsatz für die im Laden verkauften Hörgeräte geht nicht an die Akustiker, sondern an Audibene. Der Akustiker erhält lediglich eine Provision. Die Gewinnmarge im Vergleich zu eigens akquirierten Kunden reduziert sich demnach enorm. Der Aufwand, mit Beratung, Anpassung und Kundenbindung bleibt jedoch exakt der gleiche. Ein weiterer, viel essenziellerer Nachteil ist, dass Marketingmaßnahmen ausschließlich auf die eigene Marke „Audibene“ ab-zielen. Der Hörgerätakustiker wird lediglich am letzten Punkt der Kundenkommunikation erwähnt. Die Optimierung des Performance Marketings richtet sich ebenfalls nicht nach dem Akustiker, sondern nach Audibenes Mediaauftritt. Dabei wird anhand von Geotargeting geschaut, wo sie ihr Potential steigern können,nicht aber in welchen Bereichen der Akustiker dies tun kann

Marketingagentur als zukunftsorientierte Investition

An dieser Stelle setzt eine Marketingagentur den Fokus individuell auf den einzelnen Akustiker. Die Neukundengewinnung über Online Marketing Maßnahmen machen nur einen Teil aus. In einem gut ausgearbeitet Marketingkonzept wird der Erfolg durch ein Zusammenspiel von Online- sowie Offlinemaßnahmen zielsicher geplant. Eine Fullservice Agentur unterstützt bei der Ausarbeitung oder Optimierung einer Marketingstrategie und bei deren Umsetzung. Das Ziel jeder Agentur sollte sein, die Marke und lokale Präsenz des Akustikers zu stärken, um dadurch einen dauerhaften Zustrom von Neukunden zu erlangen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Audibene den Markt der Akustiker durch hoch effiziente Online-Marketing-Maßnahmen und eine erfolgreiche Leadgenerierung revolutioniert hat. Jedoch steigern sie mittels der Kundengewinnung für die Akustiker vor allem ihre eigenen Absatzzahlen. Wer also nicht nur Neukunden will, sondern auch in die eigene Marke investieren möchte, sollte eine alter-native Form der Zusammenarbeit suchen.